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Mittwoch, 24. Dezember 2014

Eine Weihnachtsgeschichte


Ein Licht gegen traurige Herzen
Der kleine Muckel ist eigentlich noch gar kein richtiger Weihnachtswichtel, aber er möchte so gern einer sein.
Er möchte die Kinder sehen, von denen die großen Wichtel immer erzählen, und er möchte ihnen auch etwas bringen dürfen! Darum stellt er sich schnell zu den großen Weihnachtswichteln, die der Weihnachtsmann wieder einmal alle zu sich ruft, weil der Weihnachtsabend gekommen ist.
"Nein, du gehörst noch nicht zu uns", sagt der Oberwichtel Grumbrum, der jedes Jahr zur Weihnachtszeit mit dem Weihnachtsmann zur Erde wandert, "geh schön zurück in die Wichtel-Kinderstube."
Der kleine Muckel schaut hilfesuchend herum, ob ihm vielleicht jemand hilft, doch alle Wichtel sagen das gleiche: "Geh schön zurück -du gehörst noch nicht zu uns." Da will er sich traurig davonschleichen, denn kleine Wichtel sind sehr folgsam. Aber auf einmal nimmt ihn der Weihnachtsmann an der Hand und sagt freundlich: "Lasst ihn nur mitkommen -niemand soll zur Weihnachtszeit traurig sein.“ Und so geschieht es, dass der kleine Muckel mit dem Weihnachtsmann und den Weihnachts-Wichteln auf die Erde zu den Menschen kommt. Er darf einen Sack tragen, in dem Kerzen sind, und darüber freut er sich natürlich sehr. "Gib auf die Kerzen gut Acht, damit du keine verlierst", sagt der Oberwichtel Grumbrum, "der Weihnachtsmann braucht sie für die Menschen. Und bleib' immer bei uns, sonst verirrst du dich auf der Erde."
Der Muckel verspricht alles und drückt den Sack mit den Kerzen fest an sich. Oh, er ist ja so stolz darauf, dass er dem Weihnachtsmann helfen darf! Aber er ist auch sehr neugierig, und darum guckt er bei jedem Fenster, an dem sie vorüber kommen, hinein. Dabei bleibt er natürlich immer mehr und mehr hinter den anderen Wichteln zurück, die sich beeilen, weil die Kinder ja schon überall auf den Weihnachtsmann warten.
Der kleine Wichtel aber merkt gar nicht, dass er zurückbleibt, denn da drinnen hinter den Fenstern gibt es so viel für ihn zu sehen. Da eine Katze, die beim warmen Ofen sitzt und sich mit den Pfoten das Gesicht wäscht, dort eine Frau, die gerade einen großen Kuchen auseinander schneidet, beim nächsten Fenster wieder ein schönes Bild, das mit Tannenzweigen geschmückt ist -ach, er weiß gar nicht, wohin er zuerst schauen soll. Es gefällt ihm in den Wohnungen der Menschen, weil so viele hübsche Dinge drinnen sind. Am besten aber gefallen ihm die Lichter, die überall brennen. Zuerst meint er, das wären Sterne, so wie oben am Himmel, aber dann sieht er, dass es Kerzen sind, die so hell leuchten. Wie er nun so von einem Haus zum anderen huscht und bei allen Fenstern ein bisschen hineinguckt, entdeckt er auf einmal eines, hinter dem es dunkel ist.
„Wohnt hier niemand?“ denkt er verwundert und drückt sein Näschen an die Scheiben. Wichtel können ja im Dunkeln sehen! Der kleine Muckel sieht auch gleich, dass da drinnen eine alte Frau sitzt und weint. Sie weint, weil sie ganz allein ist und weil sich heute am Weihnachtsabend niemand um sie kümmert. Muckel möchte ihr etwas schenken, damit sie sich freut und nicht mehr weint. Aber er hat ja nichts. Doch, etwas kann er der alten Frau schenken -eine Kerze! Es sind ja so viele drinnen im Sack, den er trägt -der Weihnachtsmann wird sicher nicht böse sein, wenn er eine davon nimmt. Schnell schlüpft er in das Zimmer, holt eine Kerze aus dem Sack und stellt sie vor die alte Frau hin. Mit einem Sternchen, das er vom Himmel als Laterne mitgenommen hat, zündet er die Kerze an und dann bleibt er ganz still sitzen und wartet. Auf einmal nimmt die alte Frau ihre Hände vom Gesicht und schaut erstaunt auf das Licht. Ob sie den kleinen Wichtel auch sieht? Nein, die Wichtel können erwachsene Menschen ja nicht sehen. Nur spüren können sie es manchmal, wenn einer in ihrer Nähe ist. Die alte Frau spürt es jetzt auch. Sie wischt sich die Tränen ab und ist plötzlich gar nicht mehr traurig. "Ein Weihnachtslicht", sagt sie leise und froh, "ein Weihnachtslicht -wenn mich auch die Menschen alle vergessen haben, der Weihnachtsmann vergisst mich nicht." Der kleine Muckel freut sich, als er sieht, dass sie nicht mehr weint. Zufrieden schlüpft er aus dem Fenster und huscht zum nächsten Haus. Und da entdeckt er gleich wieder einen traurigen Menschen. Es ist ein krankes Mädchen, das sehr, sehr traurig ist, weil es heute am Weihnachtsabend nicht daheim sein kann bei Mama und Papa und bei den Geschwistern. Es liegt nämlich in einem Krankenhaus. Vielleicht freut sich das Mädchen auch, wenn ich ihm ein Weihnachtslicht schenke, denkt der kleine Wichtel, und husch, ist er schon drinnen im Krankenzimmer. Er nimmt wieder eine Kerze aus dem Sack, zündet sie mit seinem Sternchen an und stellt sie auf das Nachtkästchen neben dem Bett. Das kranke Mädchen freut sich genauso wie die alte Frau über das Licht. „Der Weihnachtsmann kommt!“ denkt es glücklich, er kommt auch zu mir.
Der kleine Wichtel aber ist schon wieder unterwegs. Nun guckt er noch eifriger in alle Fenster. Ist da vielleicht noch jemand traurig? Er möchte allen traurigen Menschen ein Weihnachtslicht schenken, damit sie sich wieder freuen können.
Und so macht der kleine Muckel noch viele Menschen, die allein und traurig sind, an diesem Weihnachtsabend wieder froh und gut. Alle spüren es, dass ein Wichtel in ihrer Nähe ist, und alle denken an der Weihnachtsmann, wenn sie in das Weihnachtslicht schauen, das er ihnen schenkt. Voll Freude darüber wandert Muckel von Haus zu Haus, bis ans Ende der Stadt.
Auf einmal sind keine Häuser mehr da, nur verschneite Wiesen und Felder, und nun merkt er erst, dass er ja ganz allein ist. Wo ist der Weihnachtsmann? Und wo sind die anderen Wichtel? Er sucht sie überall, aber er kann sie nicht finden. Er sieht die brennenden Kerzen der Christbäume hinter den Fenstern und hört die Kinder jubeln. Da denkt er: „Wahrscheinlich ist der Weihnachtsmann schon in der nächsten Stadt -ich muss mich beeilen, dass ich auch dorthin komme, vielleicht hat er keine Kerzen mehr und braucht schon die, die ich hier im Sack habe. Ich werde mich jetzt nirgends mehr aufhalten.“ nimmt sich der kleine Muckel ganz fest vor, „erst wenn ich beim Weihnachtsmann bin, gucke ich wieder in die Fenster.“Weit draußen vor der Stadt, in der Nähe eines Waldes, liegt ein Bauernhaus. Und da bleibt der kleine Wichtel dann doch wieder stehen. Nur ein bisschen will er hineinschauen. Vielleicht ist der Weihnachtsmann gerade drinnen? Das wäre schön, wenn er ihn hier schon finden würde! Nein, er ist nicht da. -Kinder haben sie auch keine da drinnen -ganz still ist es überall. Der Bauer sitzt in der warmen Stube beim Tisch und liest in einem dicken Buch, und die Bäuerin steht in der Küche beim Herd und rührt in einem Topf. Hm, hier riecht es gut nach gebratenem Fleisch. Der große Hund, der im Hof an einer Kette hängt, riecht das auch und winselt leise. Er hat Hunger, aber seine Futterschüssel ist leer, und niemand tut ihm etwas hinein. Der Hund ist ganz mager, weil er so wenig zu fressen bekommt, und darum ist ihm auch sehr kalt. Er liegt in seiner Hütte und zittert vor Kälte. Manchmal kriecht er heraus und will ein bisschen herumlaufen, um sich zu erwärmen und zu schauen, ob nicht irgendwo ein Knochen liegt, aber die Kette, an der er hängt, ist so kurz, dass er nur ein paar Schritte hin-und hergehen kann. Und so kriecht er wieder hinein in seine alte Hütte, durch die der kalte Wind bläst, legt den Kopf auf die Pfoten und winselt wieder leise. Die Frau und der Mann im Haus hören das Winseln, aber sie achten nicht darauf. Sie haben kein Mitleid mit ihrem Hund -sie sind geizig und hartherzig. „Das sind böse Menschen!“ denkt der kleine Muckel. Er kniet zu der Hundehütte hin und streichelt dem armen Tier das struppige Fell. Der Hund hört zu winseln auf und hält ganz still. "Warte", sagt Muckel, "ich schenke dir auch ein Weihnachtslicht -es wird dich wärmen" Er greift in seinen Sack und erschrickt furchtbar: „ -oh, da ist ja keine einzige Kerze mehr drinnen!“ Muckel dreht den Sack um und schüttelt ihn aus. Ja, es stimmt, der Sack ist leer. . .
Ganz verzweifelt kniet der kleine Wichtel neben der Hundehütte und große Tränen kugeln über seine Wangen. Nun hat er alle Kerzen verschenkt -der Weihnachtsmann wird schrecklich böse sein auf ihn! Nein, jetzt traut er sich nicht mehr zu den Weihnachtswichteln und zum Weihnachtsmann. Er legt seinen Kopf auf das struppige Fell des armen Hundes und schluchzt: "Ich bleib' bei dir..." Der Hund leckt ihm mit seiner großen warmen Zunge die Füßchen -das heißt: "Bleib' nur da, ich hab' dich lieb" -und dann rückt er zur Seite, damit der kleine traurige Wichtel Platz hat in seiner Hütte. Der kleine Muckel glaubt, er dürfe jetzt nie mehr zurück zum Weihnachtsmann, weil er alle Kerzen verschenkt hat.
Der Weihnachtsmann aber weiß es schon längst -er sieht und hört ja alles -, und wie die Weihnachtswichtel auf einmal durcheinander rufen: "Unser Muckel ist verschwunden! -Wo ist der kleine Muckel? -Wir haben den Muckel verloren!", da lächelt er nur und sagt: "Kommt, wir holen ihn." Es weiß natürlich auch ganz genau, wo er ist, und bald stehen sie in dem großen dunklen Hof des Bauernhauses, vor der Hundehütte. Die Kühe im Stall spüren, dass der Weihnachtsmann in der Nähe ist, und sagen leise und freundlich: "Muh, muh." Der Hund spürt es auch -er wedelt glücklich mit dem buschigen Schwanz, und seine großen Augen leuchten vor Freude. Aufstehen kann er nicht, denn der Muckel schläft ja neben ihm und hat den Kopf auf seinem Rücken liegen. Müde vom Weinen ist der kleine Wichtel eingeschlafen. Vor der Hundehütte liegt der leere Sack. "Oh", ruft einer der großen Wichtel, "er hat alle Kerzen verloren!" "Nein", sagt der Weihnachtsmann, "er hat sie nicht verloren. Er hat sie verschenkt, und das war recht so. Er hat heute vielen armen Menschen ein Weihnachtslicht gebracht, und ihnen damit Wärme und Freude in die Herzen gebracht. Er hat ein gutes Herz und darum darf er von nun an jedes Jahr zur Weihnachtszeit mit uns auf die Erde kommen." Der kleine Muckel hört es nicht, er schläft weiter, und da nimmt ihn der Oberwichtel Grumbrum auf seine Arme und trägt ihn hinauf in die Weihnachtswelt, dass er sich dort ausruhen kann von seiner ersten Erdenwanderung.
Der Weihnachtsmann aber klopft an das Bauernhaus. Die Frau und der Mann hören es und denken plötzlich an den armen Hund draußen in der Kälte. Der Mann steht auf und holt das Tier in die warme Stube hinein, und dann sagen sie beide: "Er soll es von nun an immer gut bei uns haben." Still und zufrieden geht der Weihnachtsmann fort -weiter von Haus zu Haus, zu allen Menschen.

Frohe Weihnachten! Schenke dir einen Wein ein, genieße die Plätzchen und schau in das Licht. Wir sind bei dir und denken an dich…nicht nur zur Weihnachtszeit.